Film Screenings

Chris Marker / Alain Resnais
Les Statues Meurent Aussi
F 1953, 22’
Auch die Statuen sterben ist gerade in seiner vordergründigen filmtechnischen Ratlosigkeit ein
einzigartiges Beispiel für die engagierte Auseinandersetzung des französischen Films der 1950er Jahre mit dem
Kolonialismus und der Zerstörung afrikanischer Kunst und Kultur. Der Dokumentarfilm, der auf der grundlegenden
Aussage basiert "When pepole die, they become part of history. When images die, the become art.
This classification of death, that’s what we call culture" (Marker/Resnais),
konnte nie große Aufmerksamkeit erzielen: Nach seiner Präsentation bei den Filmfestspielen in Cannes
wurde er wegen "antikolonialer Tendenzen" verboten und kam erst wieder 1968 entgegen dem
Willen der Filmemacher in die Kinos, als er formal und inhaltlich veraltet schien.

Werner Herzog
Fata Morgana
D 1971, 74’
Als Inspiration für den vorwiegend in Nordafrika und auf Lanzarote gedrehten Film
Fata Morgana
diente Herzog ein Science-Fiction-Roman, der die Beobachtungen Außerirdischer auf der Erde
schildert. Nicht das Weltall ist es also, das hier als das "Fremde" beschrieben wird,
sondern unsere ureigene Umgebung wird aufgrund der Wahl der Perspektive vom Sinnzusammenhang
dekontextualisiert und entfremdet. Seine Adaption konzentriert sich nicht darauf, diese
Hintergrundgeschichte narrativ zu etablieren, sondern will allein die möglichen Eindrücke jener
Außerirdischen in Form eines essayistischen Films gewissermaßen "dokumentieren".
In drei Kapiteln mit den Titeln "Schöpfung", "Paradies" und "Goldenes Zeitalter"
entwickelt sich eine Art Menschheitsgeschichte, die von Zerfall, Zerstörung und Scheitern
bestimmt ist. Auf der Tonspur lässt Herzog den Film durch Musik von Johnny Cash und Leonard Cohen
begleiten, die Filmhistorikerin und Mentorin Herzogs Lotte Eisner liest aus einem
guatemaltekischen Schöpfungsmythos.

Karin Hartewig / Holger Kulick
Im Auge der Macht - Die Bilder der Stasi
D 2005, 45’
Der Dokumentarfilm stellt die für Observation, Herkunft, Funktionsweise und Tarnungen gebräuchlichste Foto- und Filmtechnik
des Ministeriums für Staatssicherheit vor. Bislang unbekanntes Material gestattet Einblicke in die Arbeitsweise der Geheimpolizei
einer Diktatur.
Bilder der Stasi ist ein Beitrag zur Geschichte der visuellen Überwachung. Exemplarisch ist der
Vorgang des Regimekritikers Robert Havemann - das größte Dossier, das die Stasi jemals anlegte und die Observation
regimefeindlicher Künstler wie Wolf Biermann und einiger Exponenten der späteren Bürger- und Friedensbewegung. Der Film macht
deutlich, wie akribisch das MfS versuchte, die Kirche als Schutzraum der Subkulturen und oppositionellen Gruppen in
Wort und Bild "aufzuklären" und gestattet zugleich einen Blick auf jene eigene Welt der Stasi zwischen
Ordensverleihungen, Bruderküssen, feuchtfröhlichen Feiern, Betriebssport und eigenen Kinderferienlagern.

Isaac Julien
Frantz Fanon: Black Skin, White Mask
UK 1996, 52’
Black Skin, White Mask ist ein Dokumentarfilm über einen der bedeutendsten
afrikanischen Wegbereiter der Entkolonisierung und Négritude-Bewegung, den Politiker,
Intellektuellen und Psychiater Frantz Fanon (1924-1961). Der Film lehnt sich an Fanons gleichnamige
Schrift an, die er 1952 mit Sartre-Schüler Francis Jeanson erarbeitet und darin kritisiert,
dass die schwarze Person eine weiße Maske tragen muss,
um in einer kolonialisierten Welt ernst genommen zu werden. Isaac Julien schafft ein Palimpsest aus
Archivmaterial, Interviews mit Fanons Verwandten als auch Statements von Theoretikern wie
Homi Bhabha und Stuart Hall. Mit Colin Salmon in der Hauptrolle, aneinandergereihten
Standbildern und dramaturgischen Rekonstruktionen entsteht eine einzigartige kinematographische
Begegnung mit der Person eines Vordenkers und seinen Zeit.